Meine Zivildienstzeit im Krankenhaus ist nun fast 20 Jahre her und noch nie habe ich darüber geschrieben. Während meiner Zivizeit wurde die Dienstdauer auf 15 Monate reduziert, ich war also einer der Ersten, die nur 15 Monate Dienst tun mussten.
In einem relativ kleinen Krankenhaus war ich auf einer urologischen Station als Zivi eingesetzt. Die Station konnte man sich nicht aussuchen, sondern diese wurde den Zivis erst am Antrittstag verraten. Urologie wäre sicher nicht meine Wahl gewesen, aber nach Eingewöhnung war auch das ok.Für mich als Langschläfer das Schlimmste: meistens hatte ich Frühschicht, d.h. Arbeitsbeginn 6 Uhr. Spätschicht hatte ich nur selten, da in der Spätschicht wesentlich weniger zu tun ist (keine Patienten waschen, keine OPs versorgen, keine Neuaufnahmen ...). Nachtschicht hatten Zivis bei uns nicht, da Nachts nur eine Kraft anwesend war.
Grund für mich dies hier heute zu schreiben war, dass ich in anderen Berichten immer lese, ausser Essen verteilen, Patienten waschen und Betten wäre nicht viel zu tun gewesen. Bei mir sah das deutlich anders aus: Puls, Blutdruck, Blutzucker messen. Infusionen wechseln, Urinbeutel leeren, Spülbeutel wechseln (ja in der Urologie hat halt fast jeder einen Katheter - zumindest ab OP - und dort läuft ständig eine Spüllösung durch. Die Mischung aus dieser, Blut und Urin sammelt sich dann in einem Beutel, der teils mehrmals stündlich geleert wird). Natürlich habe ich auch Patienten gewaschen, Blut ins Labor gebracht, Essen ausgeteilt, Betten gemacht und Patienten zum OP und zu Untersuchungen gefahren. Aber das hat max. die Hälfte der Zeit ausgemacht. Genauso viel Zeit habe ich mit Überwachung und Dokumentation der Vitalwerte nach OPs (bei uns wurde fast jeder Patient operiert) und eben Wechsel von Infusionen und Spülungen verbracht; teilweise habe ich auch den Verbandwechsel übernommen, auf jeden Fall aber die Katheterpflege und Desinfektion. Manchmal habe ich auch s.c. Spritzen gegeben, je nach dem mit welcher Krankenschwester ich gerade zusammen Dienst hatte - abgezeichnet hat sie dann aber, dass sie es getan hätte. Weitere Aufgabe war die Neuaufnahme der Patienten mit Puls, Blutdruck, Blutzucker und Temperaturmessung und Erfragen von eingenommenen Medikamenten, Allergien etc. Zudem mussten die Patienten vor den OPs je nach OP entweder komplett oder teilweise durch mich rasiert werden (im Genitalbereich versteht sich). Daran gewöhnte ich mich ebenso wie daran, auch weibliche Patientinnen zu waschen (wobei auf der Urologie 90% männlich sind).In den 15 Monaten sind ca. 5 Patienten verstorben (ca. 700 Patienten habe ich in der Zeit kennengelernt). Ich war jedoch im entsprechenden Augenblick nie im Dienst. Ein paar Leichen habe ich aber mit in den Keller gebracht.
Ich war den Großteil meiner Dienstzeit der einzige Zivi auf Station. Die letzten Monate haben wir einen anderen hinzu bekommen, wobei ich nicht sicher bin, ob er die Zeit durchgehalten haben wird, da er ziemlich Probleme hatte das viele Blut anzusehen etc.Das war es. Fazit: wenn man medizinisch interessiert ist (kann man hier checken: http://medctr.de/index.php?page=quiz ) und sich nicht blöd anstellt, darf man sicher auch etwas mehr machen ausser Töpfchen und Essen bringen - je nach dem, mit was für Leuten man zusammenarbeiten muss, versteht sich.
Nachtrag: am Anfang des Zivildienst Stand ein zweiwöchiger Einführungslehrgang mit Themen wie Staatsbürgerkunde, der im Bezug auf den Zivildienst überhaupt nichts gebracht hat. Das Krankenhaus hat dann irgendwann für alle Zivis im Haus einen 40-stündigen Pflegelehrgang durchgeführt. Das war dagegen eine sinnvolle Sache, allerdings war ich z.B. zu diesem Zeitpunkt bestimmt schon 8 Monate im Dienst. Wer Blut sehen kann, Stress verträgt und auch mit schwierigen Patienten und Vorgesetzen umgehen kann, ist hier richtig - ein gewisses Maß medizinisches Interesse vorausgesetzt.





