In meinem Betriebspraktikum beim Institut für Festkörperphysik an der Universität Bremen habe ich das Berufsbild des Physikers kennen gelernt. An der Universität Bremen arbeiten sowohl Professoren als auch Diplomanden, Doktoranden, Techniker und freie wissenschaftliche Mitarbeiter, die in unterschiedlichen Bereichen, in meinem Fall im Bereich der Festkörperphysik forschen.
Um als Physiker an einer Universität arbeiten zu können, wird ein Studium über zehn Semester vorausgesetzt, in der Regel dauert dies jedoch länger. Hauptsächlich wird in Laboren und am Computer gearbeitet. Es werden hauptsächlich Versuche aufgebaut und durchgeführt und danach am Computer ausgewertet. Daher kann diese Arbeit auf Dauer vielleicht etwas langweilig werden. Innerhalb der Gruppe wird sehr viel selbstständig gearbeitet. Daher kommen auch die sehr flexiblen Arbeitszeiten, die man sich nach Belieben einteilen kann, zustande.
Doch trotz der sehr stark gefragten Eigeninitiative und der flexiblen Arbeitszeiten findet eine Art Teamwork statt, da alle sich gegenseitig helfen, und viele Versuche aufeinander aufbauen. Es finden in unterschiedlichen Abständen Treffen der verschiedenen Arbeitsgruppen statt, bei denen vorgetragen wird, woran jeweils gearbeitet wird, Ergebnisse der Versuche dargelegt, aber auch andere Themen, wie zum Beispiel eine Kohlfahrt mit dem ganzen Team besprochen werden. Jeder trägt eine gewisse Verantwortung gegenüber den Mitgliedern seiner Gruppe, da ja niemand für sich allein forscht, oder auch forschen kann. Durch Aktionen wie eben eine Kohlfahrt, oder auch das tägliche, gemeinsame Essengehen in der Mensa wird das Gemeinschaftsgefühl der Gruppe gestärkt. Gerade die flexiblen Arbeitszeiten und die gute Mischung aus Einzel- und Gruppenarbeit machen den Beruf des Physikers meiner Meinung nach attraktiv. Allerdings ist es auch aus eben diesen Gründen manchmal schwierig, die Arbeit zu organisieren.
Weiter kann die Arbeit auch etwas langweilig sein, da viele Versuche daraus profitieren, dass sie immer wieder durchgeführt und miteinander verglichen werden. Und es gibt, wie allerdings in anderen Berufen auch, spannende und weniger spannende Arbeitstage. Manche Tage sind sehr abwechslungsreich, andere Tage sitzt man die ganze Zeit vor einem Experiment oder auch nur am Computer. Im Beruf des Physikers ist es wichtig, gut logisch denken zu können, Probleme schnell zu erfassen und Lösungen finden zu können. Die wichtigsten Schulfächer in diesem Beruf sind natürlich Physik und Mathematik, was man auch beides studieren muss, um an einer Universität oder einer anderen Hochschule als Physiker arbeiten zu können.
Grundsätzlich spielen aber auch die anderen naturwissenschaftlichen Fächer eine Rolle, wie eben Biologie und Chemie. Auch Grundkenntnisse in der Informatik können von Nutzen sein, da man sehr viel am Computer arbeitet, einerseits zur Auswertung der Messergebnisse, andererseits werden nahezu alle Geräte, die in einem Experiment verwendet werden über eine Schnittstelle mit dem Computer angesteuert, und teilweise ist es sogar nötig eigene Programme zu schreiben, um zum Beispiel Simulationen von möglichen Ergebnissen erzeugen zu können. Außerdem sollte man, will man diesen Beruf ergreifen, sowohl selbstständig, als auch mit anderen zusammen arbeiten können.
Gar nicht so selten findet bei Physikern auch eine Berufverfremdung statt, das heißt, sie ergreifen Berufe, die dem eigentlichen Physikstudium fern sind, zum Beispiel als Manager wirtschaftlicher Unternehmen oder als Leiter einer Bank. Grund dafür ist die Fähigkeit, komplexe Probleme lösen zu können, da der Physiker oft im Studium damit konfrontiert wird, und lernt, mit diesen Problemen umzugehen.
Das Einkommen eines Physikers ist nicht schlecht und auch die Zukunftschancen stehen für einen werdenden Physiker relativ gut, da der Beruf, wenigstens in näherer Zukunft, immer weiter gefragt bleiben wird. Auf die Nachfrage, ob sie mit ihrer Berufswahl zufrieden sind, reagieren die meisten Befragten durchaus positiv, und im Nachhinein würden auch die meisten die gleiche Berufslaufbahn erneut einschlagen.
Grundsätzlich ist der Beruf also zufrieden stellend, allerdings sollte schon ein gewisses Themeninteresse bestehen, auch über den Beruf hinaus. Man sollte den Beruf des Physikers nicht nur als Alternative zu etwas anderem wählen.
Im Großen und Ganzen hat mir das Betriebspraktikum beim Institut für Festkörperphysik sehr gut gefallen. Da mich schon immer interessiert hat, wie unsere Welt funktioniert, und was hinter all den selbstverständlichen Dingen der Natur steckt, ist der Beruf des Physikers nahezu optimal, einen Einblick in diese Welt zu bekommen.
Da ich auch in der Schule in vorwiegend in den naturwissenschaftlichen Fächer relativ gute Leistungen bringe, liegt eine Berufswahl in dieser Richtung nahe, und nicht zuletzt das Praktikum hat seinen Teil dazu beigetragen.
Die Arbeitsatmosphäre ist sehr entspannt, und es wird locker und freundlich miteinander umgegangen. Diese Aspekte und die Flexibilität, auch in der Arbeitszeit, machen den Beruf des Physikers nichtgerade unattraktiver. Das Praktikum hat mir insofern geholfen, dass ich mich jetzt später einfacher für oder gegen diesen Beruf, in diesem Falle wohl eher dafür, aussprechen kann.






